Willnowsky


Hinter WILLNOWSKY verbirgt sich Christian Willner:


An einem Freitagabend im November 1967 erblickt Christian Willner das Licht am Ende des Tunnels. Es ist die OP-Beleuchtung des Krankenhauses Hohenlimburg. Eine Kleinstadt im nördlichen Südostwestfalen, die nicht mehr ganz zum Sauerland aber auch noch nicht zum Ruhrgebiet gehört.

willnowskyIrgendwo dazwischen eben. Diese seltsame Zerrissenheit, dieses „Irgendwodazwischeneben“ spiegelt sich bereits in einem frühen Ein-Personen-Stück des neunjährigen Künstlers wider. Dieser Sketch trägt den Titel „Robbe mit Zeitbombe im Bauch und abschließende Detonation“. Ein nachhaltiger Erfolg ist dem Werk auch aufgrund seiner quälenden Länge von 15 Sekunden nicht beschieden. Erst nach einer grundlegenden Überarbeitung und Straffung um 2 Sekunden kann der Zehnjährige bei einem sommerlichen Grillnachmittag erste Ovationen – etwa 3 Sekunden – entgegennehmen. Doch zunächst wendet sich Christian einer anderen Leidenschaft zu, die seither sein Leben bestimmt – der Musik.

Mit 11 Jahren lernt er Trompete spielen, mit 12 Klavier und mit 17 Orgel. Er engagiert sich während seiner Schulzeit in zahlreichen Musikensembles und Chören und dirigiert auf seinem Abiturabschlussball 1987 sein erstes eigenes Unterhaltungsorchester. Von der Institution Gymnasium hält er nicht viel, ist ein eher durchschnittlicher Schüler und bleibt gern unauffällig im Hintergrund. Außer auf Schulpartys, auf denen der blasse, schlacksige Teenager seine Mitschüler mit auswendig vorgetragenen Loriot-Sketchen begeistern kann. Ein immer wieder von ihm verlangtes Highlight ist die Ansage zum englischen Fernsehkrimi „Die zwei Cousinen“.

Die Höhepunkte in Christians jungem Leben sind die jährlichen Familienurlaube auf der ostfriesischen Insel Norderney. Dort entwickelt er neben einer Hingabe zum Kurkonzert eine Starke Zuneigung zum Meer. Diese Zuneigung und das seinem Schütze-Sternzeichen innewohnende Fernweh bewegen den 19jährigen dazu, seinen Wehrdienst bei der Bundesmarine abzuleisten, um danach Nautik zu studieren. Doch bald vermisst Christian seine geliebte Musik. Dies bemerkt er vor allem während eines Hurrikanes im Indischen Ozean, der der Gorch Fock-Besatzung ziemlich ungelegen kommt. Kaum zurück an Land beginnt er im April 1989 das Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Skandinavistik in Hamburg. Dennoch erzählt Christian bis heute gern Anekdoten aus seiner Marinezeit. Er findet, dass ein paar Monate beim Militär nicht schaden, wenn man Comedian werden will. Zumindest ersetzen sie den Volkshochschulkurs „Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“.

Gar nicht ahnungslos sind die Professoren, die Christian im Musikwissenschaftlichen Institut kennenlernt. Im Gegenteil: Sie sind ausgewiesene Experten im Denken, Reden und Schreiben über Musik. Ähnlich wie ein Sexualwissenschaftler, der 120 unterschiedliche Stellungen kennt, aber noch nie einen Partner hatte.

Christian wendet sich deshalb schnell der praktischen Musik zu, erspielt sich sein erstes Geld als Pianist. Er jobbt in zahlreichen Musikensembles, bei Chören und Theaterproduktionen und bildet sich dadurch musikalisch wie auch dirigentisch fort. Da die Honorare zum Unterhalt seines Studentenlebens noch nicht ausreichen, verdient er sich den Rest als Kartenabreisser im Holi-Kino an der Hoheluftbrücke dazu. Dort muss Christian Willner Schlimmstes ertragen: 187 mal Anfang und Ende des Films „Forrest Gump“ und genauso oft den Satz „Meine Mama hat immer gesagt: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt!“

Auch Christian weiß nicht, was er kriegt, als er im Oktober 1992 im Musikwischenschaftlichen Institut Christoph Dompke kennenlernt. Bei einer der halbjährlichen Semesterabschlußfeiern, den sogenannten Treppenhausmusiken, erlebt er Christoph zum ersten Mal als Emmi und bricht vor Lachen zusammen.

Emmi hat zu dieser Zeit noch einen anderen Bühnenpartner. Durch glückliche karmische Bedingungen wie dem Einfluss von Thomas Hermanns, der zu einem Neuanfang rät, wird Christian Emmis Klavierbegleiter. Aus Willner macht Thomas kurzerhand Willnowsky – auf einen Russen kann Emmi besser einprügeln! Herrmanns schreibt und inszeniert die ersten Shows des neuen Duos. Christoph und Christian besiegeln ihre Zusammenarbeit per Handschlag im Sommer 1996 in der Unimensa nach dem Genuss einiger nicht mehr ganz frischer fritierter Kartoffeltaschen mit Salatbeilage.

Seitdem haben Emmi und Willnowsky etliche tausend Auftritte überlebt und ihren Humor in Deutschland verbreitet. Die beiden verbrachten – gefühlt – die Hälfte ihres Lebens in Fahrzeugen der Deutschen Bahn.

christian_willnerChristians nie erloschene Begeisterung für die Seefahrt führte ihn u.a. zum Hamburger Lotsenchor, mit dem er Tourneen nach England, Norwegen und Russland unternahm. Außerdem leitete er einige Jahre den Blankeneser Volkschor und den Hamburger DamenLikörChor. Aktuell ist er musikalischer Chef des St. Pauli Kurorchesters, einem 17-köpfigen Ensemble im Stil einer American Dance Band, mit dem er Hamburg und den Rest der Welt erobern möchte.

Christian Willner ist leidenschaftlicher Verfechter der Lehre des Buddha, Verehrer der Poesie von Walt Whitman und der Werke des britischen Komponisten Sir Arnold Bax. Seine heimliche Liebe ist Berlin, die Stadt, in der er seit 2005 lebt. Seine gar nicht so heimliche Liebe ist sein amerikanischer Lebensgefährte Terrél, mit dem er seit 2007 innigst verbunden ist.